Beeindruckender Besuch beim Amtsgericht

Home / Aktuelle Nachrichten / Beeindruckender Besuch beim Amtsgericht

Beeindruckender Besuch beim Amtsgericht

2014-05-amtsgericht

Am vergangenen Donnerstag sind wir, die Klasse 9b des Göttenbach-Gymnasiums, zusammen mit unserem Sozialkundelehrer Herrn Guth ins Amtsgericht gefahren, um dort eine Verhandlung mitzuverfolgen. Der Hintergrund der Verhandlung bestand darin, dass im Juli 2012 bei einem Einbruch bei der Firma Türkis mehrere Tonnen Kupfer gestohlen worden waren. Der 39 Jahre alte aus Rumänien stammende Angeklagte war bei der Tat nicht dabei. Ein Bekannter von ihm, einer der Haupttäter, hatte den Angeklagten jedoch gebeten, ihm sein Auto zu leihen, um damit eine für den Angeklagten unbekannte Ladung zu transportieren. Doch da der Angeklagte die Vermutung haben musste, Diebesgut werde transportiert, hat er sich laut Anklage der Begünstigung schuldig gemacht.
Die ausführliche Befragung des Angeklagten war für Richter Pfeifer und seine beiden Schöffinnen eine gute Gelegenheit, das Gericht über die Lebensverhältnisse in Rumänien zu informieren. So erfuhren wir zum einen, dass man in Rumänien schon in der achten Klasse seinen Schulabschluss hat. Zum anderen, dass es traditionell nicht für jeden Roma, – die sich in Rumänien selbst „Zigan“ nennen – selbstverständlich ist, seine Kinder in die Schule zu schicken. Bildung und Erziehung sollen allein in der Familie vermittelt werden. Bedürftige erhalten in Rumänien umgerechnet nur etwa 50 € Hilfe vom Staat, doch bei einem Krankheitsfall ist man auf sich allein gestellt – einer der Gründe dafür, dass der Angeklagte mit seiner Familie vor gut einem Jahr ein besseres Leben in Deutschland suchte.
Besonders beeindruckend war für uns: Als sich das Schöffengericht zur Urteilsberatung zurückzog, stand uns auf Bitten von Richter Pfeifer der Dolmetscher des Angeklagten für Fragen rund um das Schulwesen und die Lebensumstände in Rumänien zur Verfügung. Eine Gelegenheit, die wir eifrig zum Einholen weiterer Informationen nutzten.
Mit Rücksicht auf die Kinder und die schwangere Frau des Angeklagten fällte dann das Gericht folgendes Urteil: Der Angeklagte muss 90 Tagessätze à 15 Euro in Raten wegen Begünstigung einer Straftat bezahlen. Somit ist er nicht vorbestraft und kann wohl seine Arbeitsstelle behalten. Ein gerechtes Urteil – so die Auffassung nicht nur des Angeklagten und Staatsanwaltes, sondern auch unserer ganzen Klasse. Das Lob des Gerichtes nach Ende der Verhandlung für unser aufmerksames und diszipliniertes Verhalten rundete unseren beeindruckenden „Unterricht vor Ort“ ab.
[Hannah Druglat]

Zurück