Geschichte aus erster Hand – Zeitzeuge Helmut Becker zu Besuch am Göttenbach-Gymnasium

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Geschichte aus erster Hand – Zeitzeuge Helmut Becker zu Besuch am Göttenbach-Gymnasium

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,,Mein Name ist Helmut Becker, ich bin 87 Jahre alt, komme aus Idar-Oberstein und bei meiner Verhaftung durch die Gestapo war ich ungefähr in eurem Alter‘‘, so begann Herr Becker seinen Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern der MSS 13 des Göttenbach-Gymnasiums am Freitag, den 22.11.2013. Helmut Becker schaffte es innerhalb weniger Minuten die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und es herrschte zwei Schulstunden lang absolute Stille.

In dem chronologisch aufgebauten Vortrag erzählte Herr Becker zuerst von seiner Zeit als erfolgreicher Ringer und Skispringer und warum er von der Gestapo verhaftet wurde: Er hatte lediglich einen Sonderurlaub von der Goldschmiedelehre nicht ordnungsgemäß beantragt, doch sein Betrieb galt 1942 als Rüstungsbetrieb und deshalb war dies bereits ein Verhaftungsgrund. Er landete zunächst in zahlreichen Gefängnissen, dann im Konzentrationslager in Sachsenhausen und letztlich im Jugend-KZ in Moringen. Dort herrschten menschenunwürdige Zustände und die Bestrafungen durch die Wärter waren willkürlich und brutal. Als er zum Beispiel einen Gefängniswärter anstandshalber mit dem Hitlergruß begrüßte, schlug dieser ihm zwei Zähne aus. Nach seiner Entlassung aus dem KZ in Moringen wurde er in Südfrankreich in einer Strafeinheit eingesetzt und war Funker während der Invasion in der Normandie. Kurz darauf geriet er in englische Kriegsgefangenschaft und es folgten Gefangenenlager in Kanada und den USA. Nach Ende des Krieges nahm er an einer Schulung zum Thema Demokratie teil. Er arbeitete bis 1973 als Koch in den Vereinigten Staaten und kehrte dann wieder nach Deutschland zurück. Dort arbeitete er ebenfalls als Küchenchef, unter anderem im alten Krankenhaus in Göttschied.

Seinen Vortrag untermauerte Herr Becker mit Fotos, auf denen unter anderem mit Nazifahnen geschmückte Straßen in Idar-Oberstein und offizielle Besuche Adolf Hitlers zu sehen sind. Gerne nahm er sich nach seinem Vortrag noch Zeit für die Fragen der Schülerinnen und Schüler und erzählte abschließend, wie er die Reichspogromnacht erlebt hat.

Helmut Beckers Vortrag war eine sehr interessante und zugleich auch bedrückende Erfahrung. Ein Zeitzeugenbericht ist eben doch um einiges authentischer als ein Text im Geschichtsbuch. Die Doppelstunde hat viele zum Nachdenken angeregt und uns Schülerinnen und Schülern verdeutlicht, wie wichtig Toleranz und Meinungsfreiheit sind.

Die Sozialkundelehrerin Frau Reichert und ihr Geschichtskollege Herr Wehmann dankten Herrn Becker im Namen der Schülerinnen und Schüler, dass er sich für das Zeitzeugengespräch am Göttenbach-Gymnasium Zeit genommen hatte.

[Carolin König, MSS 13]

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